Politische Spielchen

Die EURO 2008 und die Olympischen Spiele in Peking rücken immer näher. Sport soll unpolitisch und universal sein – doch nur allzu oft hält sich die große und kleine Politik nicht an dieses Diktum. Warum Politik eine Affinität zu Sport hat und wie diese Beziehung in der Vergangenheit aussah untersucht Timon Jakli

Bei großen Sportereignissen wird meist die Universalität und Unparteilichkeit des sportlichen Wettkampfes betont. So stehen die Olympischen Spiele in Peking unter dem Motto „One World One Dream“. Der Slogan bringe „the common wishes of people all over the world […] to strive for a bright future of Mankind“ zum Ausdruck. Der Sport wird als völkerverständigendes Paradigma gepriesen: „In spite of the differences in colors, languages and races, we share the charm and joy of the Olympic Games, and together we seek for the ideal of Mankind for peace.“

Von der Realität eingeholt werden diese hehren Ideale nur zu oft, wie die aktuellen Proteste in Tibet und die Störungen des olympischen Fackellaufes zeigen. Denn Sport bietet nicht nur eine Plattform für Verständigung, sondern auch eine weltumspannende Bühne für politische Manifestationen. Durch die Beliebtheit des Sports können sehr viele Menschen erreicht werden, auch solche die sich sonst weniger für politische Anliegen interessieren mögen. So verwundert es dann nicht, dass manche PolitikerInnen schon immer Fußballfans waren, sich in Stadien auf den Ehrentribünen zeigen oder sich freudestrahlend mit SportlerInnen fotografieren lassen. Dabei werden Universalität und Völkerverständigung in einem Atemzug mit dem patriotischen Bekenntnis zur eigenen Nation genannt.

Politische Konflikte finden ihren Weg in die Welt des Sports und werden dort transformiert nach der Logik des Spielfeldes ausgetragen. Ein Beispiel dafür ist Jugoslawien Ende der 1980er Jahre. Lange bevor der Krieg begann, hatten sich die Fußballfans radikalisiert und in nationale Lager aufgespalten. Der kroatische Schriftsteller Predrag Matvejevitch beschreibt: „Der Krieg, der ganz Ex-Jugoslawien in Blut getaucht hat, kündigte sich schon in den Fußballstadien an.“ Ganz anders lief das Spiel USA gegen Iran 2006 ab, bei dem es vor dem Spiel zu freundschaftlichen Gesten der Mannschaften kam.

Direkte politische Kundgebungen finden sich auch in der Welt des Sports wieder. So wurde die Olympiade 1936 von den Nationalsozialisten als ideologische Bühne missbraucht. Durch die gegenseitige Boykottierung der Olympiade 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles fand der Kalte Krieg auch im Sport seinen Austragungsort. Den traurigen Höhepunkt politischer Vereinnahmung bildet sicher der palästinensische Anschlag in München 1972. Jedoch hat die Verknüpfung von Sport und Politik auch positives Potential. Das zeigt der Protest von Tommie Smith und John Carlos bei der Olympiade in Mexiko 1968. Bei der Siegerehrung hoben die schwarzen Läufer während der Amerikanischen Nationalhymne ihre Fäuste und machten das Symbol der Black Power Bewegung – ein aufrüttelndes Zeichen für die Zivilgesellschaft der USA. Angesichts der aktuellen Diskussionen um Olympia 2008 in Peking bleibt zu hoffen, dass auch hier positive Zeichen gesetzt werden können.

Timon Jakli studiert Germanistik in Wien

Veröffentlicht in PROGRESS 3/08

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