Faust sticht Woyzeck

Verspricht ein Umschlagtext „die vielleicht kürzeste Weltliteratur der Welt“, spricht das nun oft nicht gerade für den Inhalt. In diesem Falle finden sich in einer kleinen blauen Packung 31 Spielkarten – und die haben es in sich. Das Literarische Kartenspiel versammelt den Kanon der Weltliteratur (mit einer ernüchternden Männerquote von 100%) und macht ganz respektlos gegenüber den Klassikern ein Spiel daraus.
Das Spielprinzip ist recht einfach: Auf jeder Karte findet sich eine Radikalzusammenfassung eines Werkes – also Krieg und Frieden oder Der Mann ohne Eigenschaften auf 54 cm². Bestimmte Schlüsselwörter sind farbig gedruckt und wer mag, kann anhand derselben in einer Runde die Werke zu erraten versuchen. Erratene Spielkarten dürfen behalten werden und wer zum Schluss die meisten Karten hält, gewinnt.
Frei nach Alfred Dorfer könnte das nun alles in „haha, da lacht der Bildungsbürger“ enden – wären die Zusammenfassungen der Werke nicht so herrlich böse und witzig geschrieben. Womit sich die Lektüre der Kärtchen auch für passionierte NichtspielerInnen lohnt. Auch wenn Frank Goosens deutsches Idiom hierzulande manchmal befremdlich wirkt (man/frau lässt beim Feiern hier definitiv nicht „die Kuh fliegen“) macht der entspannte Umgang mit Literatur Spaß. Zudem auch empfohlen als last-minute Prüfungsvorbereitung. TJ

Veröffentlicht in PROGRESS 3/07

Timon
Timon
Spracharbeiter. Kommunikator. Sprecher. Trainer. Historiker. Leidenschaftlicher Koch. Foodie.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.